8.6. Leberkrebs
1. Sinnvolle Anwendungen
(Indikationen):
•
Abklärung der Natur aller kleinen und großen Knoten (Raumforderungen) in
der Leber, insbesondere des Verdachtes auf Metastasen, außer
Bandwurm-Zysten und Blutschwämme (Hämagiome) bei nicht behandelbarer
Blutungs-Neigung
•
Diffuse Prozesse der Leber sind ebenso wenig Indikationen zur
Feinnadelaspirationsbiopsie (FNAB), wie mit Röntgen-Verfahren gesicherte
Fokal-noduläre Hyperplasie (FNH)
•
Eine Feinnadelaspirationsbiopsie ist nur dann angezeigt, wenn von deren
Ergebnis die weitere Behandlung (Therapie) abhängt
2. Materialgewinnung:
Punktion mit dünnen, das heißt 20 - 22 Gauge-Nadeln, entweder durch die
Haut unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle (Abbildung Bild 5, Kapitel 1.1.)
oder vom Magen bzw. Zwölffingerdarm aus unter endosonographischer
Kontrolle (Abbildung 54, Kapitel 4.1.3)
3. Komplikationen:
•
Follow-up-Studien belegen eine sehr niedrige Rate ernster Komplikationen
der FNAB der Leber zwischen 0,006 % und 0,1 % (Chawla et al.,1990;
Buscarini et al., 1990; Feruci et al., 1980; Martino et al., 1984)
•
Nicht bedrohliche Blutungen beobachtete Schönnenbeck 2004 in 1,3 % nach
Feinnadelaspirationsbiopsien und in 2,8 % nach Stanzbiopsien der Leber
•
Die Rate von Implantations-Metastasen im Stichkanal wird mit 0,003 - 0,005
% für Stanzbiopsien angegeben (Smith et al., 1991)
•
Für Feinnadelaspirationsbiopsien der Leber wurde in der Weltliteratur bis
1993 nur über drei Fälle von Metastasen im Stichkanal berichtet
•
Schönnenbeck (2004) fand nach 120 FNAB's der Leber keine Metastasen im
Stichkanal
4. Unterscheidbare Krankheiten
(Differenzialdiagnosen):
-
Normale Leber
-
Abszesse
-
Regeneratknoten
-
Leber-Zysten
-
Fokal-noduläre Hyperplasie (FNH)
-
Verschiedene Adenome
-
Blutschwämme (Angiome)
-
Leberzell-Karzinome
-
Gallengangs-Karzinome
-
Sarkome
-
Tochtergeschwülste anderer Krebse bei unbekanntem Primärtumor (metastatische
Karzinome, Böcking, 2003)
5. Treffsicherheiten:
| Autoren |
Sensitivität |
Spezifität |
| Fornari et al.,
1990 |
93,2% |
100% |
| Guo et al., 2002 |
95,1% |
100% |
| Ohlson et al.,
2002 |
89,0% |
100% |
| Franca et al.,
2003 |
92,0% |
100% |
| Schönnenbeck,
2004 |
90.4% |
100% |
|
Die Genauigkeit der Typisierung von Tumoren an Feinnadelpunktaten
einschließlich der Leber, beschreibt Schönnenbeck (2004) mit 94,9 %.
6. Klinische Bedeutung:
•
Minimal invasive, schnelle und kostengünstige Maßnahme zur Abklärung von
Tumor-verdächtigen Raumforderungen mit hohem positiven Vorhersagewert
(100 % Schönnenbeck, 2004, Franca 2003)
•
Lässt sich die Genauigkeit eines Leberherdes cytologisch nicht sicher
beweisen, so muss eine operative Resektion erwogen werden
7. Hilfsmethoden:
• Die Immuncytochemie dient der Typisierung (Klassifizierung) von Tumoren
und der Auffindung von Primärtumoren (Carcinoma of unknown primary, CUP)
•
Die DNA-Bildcytometrie hilft bei der Abgrenzung von gutartigen Adenomen zu
bösartigen Karzinomen der Leber.
Hier finden Sie
eine Anleitung zur Feinnadelpunktion
8. Abbildungen:
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Regelrechte Leberepithelien in
einer Feinnadelpunktion.
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Feinnadelaspirationsbiopsie der Leber bei hepatozellulärem
Karzinom. |
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Feinnadelaspirationsbiopsie der Leber bei Metastase eines
Rektumkarzinoms. |
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