| 6.2.3.
Malignitäts-Gradierung (Grading)
In einem separaten diagnostischen Schritt
wird bestimmt, wie "bösartig" der Tumor ist. Der Pathologe spricht von
Malignitäts-Grading. In der Laienpresse wird dies auch mit der
Unterscheidung zwischen "Haustierkrebs" und "Raubtierkrebs" umschrieben.
Das herkömmliche Malignitäts-Grading erfolgt subjektiv am Mikroskop durch
Beurteilung der Ähnlichkeit (Differenzierung) des Krebsgewebes mit seinem
Ursprungsgewebe. Man unterscheidet die Malignitätsgrade 1-4. Jeder
Tumortyp wird nach anderen mikroskopischen Kriterien gradiert.
So gefährdet zum Beispiel ein "Grad 1"- Prostatakarzinom eines 70jährigen
Mannes (mit normalem DNA-Gehalt) dessen Leben kaum und bedarf eventuell
keiner Behandlung, während ein "Grad 4"- Karzinom der Prostata sein Leben
sehr wohl gefährdet und wahrscheinlich eine Operation oder Bestrahlung
erfordert.
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Zellen eines
wenig bösartigen Karzinoms der Prostata (Grad I) mit guter Prognose in einem
Feinnadelpunktat. |
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Zellen eines sehr bösartigen Grad 4
Karzinoms der Prostata mit schlechter Prognose in einem
Feinnadelpunktat. |
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DNA-Malignitäts-Grading
Je bösartiger Tumoren sind, um so größer sind die Abweichungen ihrer
Chromosomenzahlen pro Zelle von der Norm (=46 Chromosomen). Während solche
eines gut differenzierten, relativ harmlosen Prostatakarzinoms Grad 1 noch
46 Chromosomen haben, weisen Zellen eines schlecht differenzierten, sehr
bösartigen Grad 3 Karzinoms fast in jeder Zelle einen anderen
Chromosomensatz auf (genetische Instabilität), der bis zum 10fachen der
Norm erhöht sein kann (= chromosomale Aneuploidie).
Da diese Veränderungen im Laufe der Existenz eines Tumors zunehmen können,
spricht man dann von einer zytogenetischen Tumorprogression. Da Tumoren
oft heterogen aufgebaut sein können, muss man u.U. mehrere Proben (4-5)
aus einem Tumor untersuchen, um eine verlässliche Aussage über seine
maligne Potenz zu erhalten.
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DNA - Histogramm eines hoch
differenzierten Prostatakarzinoms (Grad 1) mit peridiploider (fast
normaler) DNA-Verteilung der Tumorzellen. |
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DNA - Histogramm eines mittelgradig
differenzierten Prostatakarzinoms (Grad 2) mit peritetraploider
DNA-Verteilung der Tumorzellen. |
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DNA - Histogramm eines wenig
differenzierten Prostatakarzinoms (Grad 3) mit DNA-Stammlinie bei 3,5 x-ploid). |
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DNA - Histogramm eines wenig
differenzierten Prostatakarzinoms (Grad 3) mit mehreren Stammlinien (multiploid). |
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Diese Veränderungen lassen sich quantitativ
durch Messung des DNA-Gehaltes in 300 Zellkernen eines Tumors bestimmen
und daraus ein sogenannter DNA-Malignitätsgrad ableiten (Böcking et al.
1984). Ist dieser niedrig, zum Beispiel 1, dann wird der Tumor das Leben
des Patienten je nach Typ möglicherweise gar nicht gefährden.
Gelegentlich, zum Beispiel bei Prostatakarzinom alter Männer, kann dann
ggf. (vorerst) auf eine Therapie verzichtet werden (Tribukait, 1993;
Böcking, 1996).
Ist der Malignitätsgrad dagegen hoch, zum Beispiel 3, muss auch die
Tumortherapie radikaler ausfallen (Holmberg et al., 2002).
Für folgende Tumorarten liegen hinreichend viele wissenschaftliche
Veröffentlichungen vor, die ein DNA-Malignitäts-Grading sinnvoll
erscheinen lassen:
- Mamma-Karzinom (Kunze et al., 200?)
- Mundkrebs
- Karzinoide (Raatz et al., 2004)
- Pankreas-Karzinom
- Kolorektales Karzinom
- Harnblasen-Karzinom
- Gebärmutterhals-Karzinom (Grote et al.,
2002)
- Osteosarkome
- Prostata-Karzinom (Tribukait et al.,
1993)
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